Die Nebenwirkungen

Die neue Therapie habe ich anfangs ganz gut vertragen. Ich hatte zwar ein paar Nebenwirkungen, aber es hat sich in Grenzen gehalten. Nach ein paar Monaten haben sie allerdings immer mehr zugenommen. Es hat damit angefangen, dass meine Schleimhäute wieder angergriffen wurden. Der Darm, die Magenschleimhaut, mein Mund, meine Nase etc. waren davon betroffen. Es gab Tage, an denen konnte ich nichts essen und kein Wort reden, weil ich so unerträgliche Schmerzen im Mund hatte. Zudem hat sich mein Zahnfleisch zurück gebildet und sich entzündet, was ebenfalls sehr unangenehm war.

Was mich allerdings am meisten beeinträchtigt hat, war das so genannte ,,Hand- Fuß Syndrom.“ Ich habe im Frühling zusammen mit meinem Freund ein Wochenende in Rust im Europapark verbracht. Auf einmal haben meine Hände und Füße übertrieben angefangen weh zu tun. Sie wurden sehr rot, sind angeschwollen und waren richtig heiß. Von da an wurde es von Chemo zu Chemo schlimmer. Ich habe Kühlakkus auf meine Hände und Füße während der Chemo gelegt, damit die Adern sich zusammen ziehen, allerdings hat es nicht besonders viel gebracht. Eine Zeit lang war es so schlimm, dass ich keinen Schritt mehr gehen konnte. Es hat sich angefühlt, als würde man auf heißen Kohlen laufen und bei jedem Schritt in einen langen, spitzen Nagel treten. Wenn ich mich irgendwo hin bewegen musste, habe ich mich auf meinen Hintern gesetzt und bin auf dem Boden durch die Wohnung gerutscht. Meine Hände waren nicht besser. Ich war unfähig etwas anzufassen, meine Hände durften nicht nass werden, ich musste sie nach oben halten, da sie sonst wie wild gepocht haben. Alles war rot, dick, angeschwollen und hat sich komplett geschält. Teilwiese haben sich mehrere Hautschichten gleichzeitig gelöst und man konnte die Haut richtig abziehen. Es war so schlimm, da ich im Endeffekt die ganze Zeit auf Hilfe angewiesen war.

Nach der Chemo war es immer am schlimmsten und mit Tag zu Tag wurde es etwas besser, doch dann wenn es gerade auszuhalten war, kam die neue Chemo und es wurde sofort wieder schlimmer. Ich habe mich in dieser Zeit so hilflos und schlecht gefühlt. Ohne die Unterstützung meiner Familie und Freunde hätte ich das nie geschafft. Ich brauchte immer jemanden, der langsamer mit mir läuft, da ich sonst zu große Schmerzen hatte. Oft musste mir mein Essen geschnitten werden, ich musste überall hingefahren werden, weil ich das Auto nicht bedienen konnte. Ich habe mich in die Badewanne gesetzt und habe mich abduschen lassen, damit die Haut an Händen und Füßen nicht mit dem Wasser in Verbindung kommen.

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