Zur weiteren Behandlung wurde mir die Uniklinik in Würzburg empfohlen. Dies ist die einzige Klinik in Mitteleuropa, die sich auf das Nebennierenrindenkarzinom spezialisiert hat. Für die erste Chemotherapie wurde mir ein Zugang am Hals gesetzt, da dort die Venen größer sind und direkt zum Herzen führen. Die Chemo wurde über einen Zeitraum von vier Tagen gegeben. Anfangs ging es mir noch sehr gut, doch mit der Zeit habe ich immer mehr gemerkt, wie die Nebenwirkungen eintreten. Ich war körperlich total schwach und mir war die ganze Zeit mega übel. Ich konnte nichts essen und war sehr schwach. Was mich allerdings am Meisten beeinträchtigt hat war meine Psyche. Es war ein Gefühl, das man nur nachvollziehen kann, wenn man es selbst schon einmal erlebt hat. Ich bin in eine tiefe Depression verfallen. Ich wollte nur noch raus aus meinem Körper. Ich konnte nicht sitzen, liegen, stehen, laufen. Alles war eine Qual und ich wusste nicht was ich mit mir anfangen sollte. Ich habe mich immer wieder gefragt, womit ich das verdient habe. Es waren definitiv einige der schlimmsten Tage meines Lebens.
Ein paar Wochen später musste ich wieder nach Würzburg zum nächsten Zyklus. Ich hatte schon allein bei dem Gedanken daran ein Grauen und wollte nicht hin. Ich habe mich dafür entschieden, dass ich einen Port haben möchte, über den die Chemotherapie einlaufen soll. Die Ärztin hat gemeint, dass es jetzt ,,modern“ werden würde, ihn am Unterarm, nahe des Ellenbogens, einsetzten zu lassen und nicht mehr wie gewöhnlich am Schlüsselbein, da so nicht die Gefahr bestände, die Lunge zu verletzten.
Der nächste Zyklus war nicht besser als der Erste. Ich merke wie die Chemo mehr und mehr meinen Körper zerstört. Sie greift extrem meine Schleimhäute an, insbesondere meinen Darm. Ich hatte massive Schmerzen, wollte nichts mehr essen und habe die Schmerzen kaum noch ertragen. Nach der zweiten Gabe haben meine Haare angefangen auszufallen und da ich es zu deprimierend fand, dass sie überall rumliegen, habe ich entschlossen zum Frisör zugehen und sie komplett abrasieren zu lassen. Meine Perücke hatte ich zu dem Zeitpunkt zwar schon bestellt, aber sie war noch nicht angekommen. Ich hatte allerdings nie ein Problem damit, mit Glatze rumzulaufen.
Zusätzlich zu der Chemotherapie sollte ich noch ein Medikament einnehmen, welches sich ,,Lysodren“ nennt. Es schaltet die Funktion der noch vorhandenen Nebennierenrinde aus, sodass ich kein Cortsiol mehr produziere. Da man dieses Hormon allerdings zum Überleben braucht, muss ich es seit dem in Form von Tabletten einnehmen. Ich habe relativ schnell den gewünschten Spiegel erreicht, doch es hat sich rausgestellt, dass dieses Medikament mein komplettes Leben beeinträchtigt. Ich war enorm schlapp, müde, konnte mich kaum noch konzentrieren und stand die meiste Zeit neben mir. Ich konnte nicht mehr richtig am Leben teilnehmen, habe nicht richtig begriffen, was um mich herum eigentlich passiert und war sehr oft nicht bei der Sache. Ich habe einen echten Hass gegen dieses Medikament entwickelt. Da es aber nicht die gewünschte Wirkung gebracht hat und der Krebs trotzdem gestreut hat, durfte ich es nach einigen Monaten wieder absetzen und seitdem hat sich meine Lebensqualität wieder enorm verbessert.




